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Jagd & Rettungshunde

Hier finden Sie Geschichten und Wissenswertes über unsere Ridgebacks als Jagd- und Rettungshund

RRAG Jagdhund     Ein Ridgeback lenkt

"Auf den Trümmern von Jena"  - Rusty als Rettungshund

Montag am 7.August 1995 ein dringender Anruf für den Einsatzleiter der Rettungshundestaffel Thüringen: "Trümmersuche inmitten von Jena". Ich soll mit meiner Hündin an der Autobahnmeisterei Kassel bereit stehen, um sofort mit einem Hubschrauber der Thüringer Polizei abgeholt zu werden. Ich packe schnell einige Ausrüstungsgegenstände zusammen und fahre mit meiner "Umvuma Rusty" zum verabredeten Platz.

Der Pilot war inzwischen ausgestiegen, ich spurte mit Rusty los, um den Hubschrauber (mit noch laufenden Rotoren!!) zu entern. Als mein Hund erkennt, das ich (ihr Meister) tatsächlich die Unvernuft besitze, auf diese Höllenmaschine zuzurennen, zieht sie die Notbremse und schlüpft aus dem Halsband! Ich werfe die Ausrüstung weg, stürze mich auf die verblüffte Hündin und trage sie zum Hubschrauber. Schnell sind die paar Ausrüstungsgegenstände eingesammelt und ich steige ein und schon erhebt sich der Hubschrauber in die Lüfte. Der Copilot hatte einen weiteren Kopfhörer mit Kehlmikrofon an die Bordsprechanlage angeschlossen. Das erste, was die Piloten mich fragten, war, was denn dieser Hund für eine Rasse sei und was dieser Spezialhund, auf den in Jena schon alle warteten, so spezielles könne. Mir lief es kalt den Rücken runter, Rusty hatte schon seit 6 Monaten nicht mehr gearbeitet und Ihr letzter Wurf erst ein paar Wochen her war.

Da ich wusste das der deutsche Rettungshundeverband in Hammelburg einen Lehrgang durchführte und dort auch seine besten Hunde dabei hatte, fragte ich die Piloten, ob wir von dort nicht noch ein Team holen können. Nach Rückfrage bei der Einsatzleitung in Jena wurde der Flug nach Hammelburg genehmigt. Als wir die Ausläufer der Rhön erreichten, sahen wir vor uns, als undurchdringliche schwarze Wand, eine Gewitterfront. Mir wurde ganz lau in der Magengegend und ich sagte dem Piloten, das die Abholung eines zweiten Teams eigentlich kein triftiger Grund sei, ein solches Gewitter zu durchfliegen! Die Piloten, denen das Ganze wohl auch nicht so geheuer war, stimmten mir sofort zu, meldeten der Einsatzleitung unseren direkten Anflug auf Jena und drehten Richtung Thüringen ab. Rusty hatte das alles wenig interessiert, sie hatte es sich zu meinen Füßen bequem gemacht und genoss den Flug.

In Jena angekommen, landeten wir auf einem Platz, der durch Polizeiautos mit Blaulicht eingekreist und somit als Landeplatz gekennzeichnet war, denn in der Zwischenzeit war es dunkel geworden. Als der Hubschrauber stand, ich die Türen öffnete und mit Rusty ausstieg, hätte ich mich fast der Länge nach auf den Platz gelegt. Wir wurden von einem Blitz-Lichtinferno empfangen und ich trat geblendet ins Leere. Im Laufschritt liefen Rusty und ich, in Begleitung von Polizeibeamten, zu einem bereitstehenden Kleinbus und stiegen dort ein. Allerdings bekamen wir die Türen nicht zu, weil ein paar Reporter ihre Mikrofone in das Auto steckten und mich mit Fragen über den "Spezialhund" bombardierten. Zum Glück wurden die Polizeibeamten energisch und wir konnten endlich zur Unfallstelle fahren.

Dort angekommen bot sich mir, vom Lichte zahlloser Scheinwerfer angestrahlt, ein Bild der Verwüstung und des Grauens, so das mir spontan ein sehr unfeines Wort über die Lippen kam. Ich ließ mich and direktem weg zur Einsatzleitung führen, wo mich bereits drei weitere Hundeführer erwarteten und mich freudig begrüßten. Ich umrundete mit Stefan Vogel, der 2 Deutsche Schäferhunde mit sich führte und dem ich die Einsatzleitung der Feuerwehr den Katastrophenort, um mir ein möglichst genaues Bild von dem Trümmerfeld und meine Einsatzmöglichkeiten zu verschaffen. Ich gab an die Feuerwehr durch, das ich jetzt meinen Hund über die Trümmer schicken wolle und das möglichst alle Personen von den Trümmern verschwinden sollen bis auf unseren kleinen Trupp. Die Räumungstrupps verließen sehr schnell die Trümmer und ich setzte Rusty von der Nordseite gegen den Wind zur suche an.

Ihrem Temperament entsprechend ging sie die Suche sehr stürmisch an, ließ sich aber von mir bremsen und tzr ruhigen Suche überreden. Wie eine Gämse kletterte sie über die Trümmer und balancierte über Freischwebende Gerüstteile. Zum teil kroch sie unter überhängende Betonplatten durch, unter die ich nicht passte, aber ich wußte ja, das sie auch ohne meine nähe sicher und gründlich arbeitete. Manchmal lief es mir kalt den Rücken runter, wenn ich sah in welche Löcher sie kroch! Öfters war ich nahe daran sie zurück zurufen, aber dann vertraute ich den guten Instinkt der Ridgis und ließ sie gewähren. Aus einem solchen Loch hervorkommend sah sie mich an, wedelte, ging wieder hin, schaute hinein und begann zu winseln und zu jaulen, während sie versuchte durch Scharren Trümmerteile beiseite zu räumen. Anzeige! In meiner Freude über die gute Arbeit von Rusty mischte sich aber Trauer, denn der Mensch, den sie unter den Trümmern gewittert hat, war sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Bei lebenden Menschen bellt meine Hündin nämlich frei und freudig: ihr gedrücktes Verhalten konnte nur eines bedeuten: sie hat den Tod wahrgenommen.

Ich gab die Anzeige an die Feuerwehr durch und ließ zur Sicherheit einen weiteren Hund an diese Stelle schicken. Hierbei handelte es sich um den Teil der Unglückstelle an dem die größten und schwersten betonplatten lagen. Auch der zweite Hund bestätigte, das hier ein Mensch liegen musste. Jetzt kam Hektik bei der Einsatzleitung auf, es mussten zur Beseitigung der betonplatten überschwere Kräne herangeschafft werden und von diesen gibt es nur wenige im gesamten Bundesgebiet.

Inzwischen kam Stefan zu mir und sagte, das seine Jana einen Mauerrest verbellt habe und ob ich mit Rusty diese Stellen noch mal absuchen könne. Ich setzte Rusty an diesen teil des Trümmerberges an und nach kurzer zeit verwies sie zu einem Rest der Mauerwand hinauf und zwar wie zuvor durch winseln und jaulen. Nach ca. 20 min. barg der Räumungstrupp eine Leiche. Es waren die Reste eines jugosl. Bauarbeiters, ohne Kopf, ohne Beine, mit nur noch einem Arm und aufgerissenem Bauch. Somit fehlte, wenn nicht noch Passanten von den Trümmern begraben worden waren, nur noch einer der Bauarbeiter und der musst ja wohl dort liegen, wo Rusty zuerst angezeigt hatte.

In dieser Nacht begann ein fieberhaftes Räumen und Graben, das sich noch über die nächsten Tage und Nächte fortsetzen sollte, um an den vermissten, 15-jährigen Azubi Marco, heranzukommen. Während dieser Zeit fanden die Hunde weitere Einzelteile des Jugoslawen, machten aber auch des Öfteren Fehlanzeige, da durch die Freiräume zwischen den Trümmern ein "Kaminsystem" entstanden ist, durch das Luftzug die menschliche Witterung weit entfernt von dem Vermissten ins Freie brachte. Nur Rusty fiel nicht auf diese Witterung herein und nach wie vor machte nur sie die typischen Totanzeigen. Immer wenn eine Lage Trümmer entfernt werde konnte, wurde zur Sicherheit wieder die Hunde über die Unglücksstelle geschickt - immer wieder mit dem gleichen Ergebnis. Rusty rutsche, bei einer solchen Nachsuche, von einem Stein ab und trat mit dem linken Vorderlauf auf ein scharfkantiges Blechteil. Sie hatte sich eine tiefe, stark blutende Schnittwunde in einem Ballen zugezogen und wurde daraufhin mit einem Rettungswagen mit Sondersignal (!!) zum nächsten Tierarzt gefahren. Als wir wieder zurückkamen und Rusty mit bandagiertem lauf aus dem Auto stieg, wurde sie von den tausenden Schaulustigen mit Applaus und Bravo-Rufen empfangen. Als ob sie sich Ihrer Leistung bewusst wäre, humpelte sie innerhalb der Absperrung entlang und ließ sich feiern. Sie trug übrigens während des gesamten Einsatzes kein Halsband und reagierte auf den leisesten Zuruf oder den kleinsten Wink von mir.

Wir hatten nun Mittwoch, den 9. August, der dritte Einsatztag. Hund und Menschen hatten während der ganzen Einsatzzeit ungefähr drei Stunden geschlafen und auch für die nächste Zeit sah es nicht nach mehr Ruhe aus. Die Kräne hatten den größten teil der schweren Betonplatten von der Stelle, an der Rusty angezeigt hatte, entfernt und bald musste es sich zeigen, ob meine kleine Hündin wirklich eine Supernase ist oder ob sie sich vielleicht geirrt hatte. Es war wieder Nacht geworden und ich hatte meine Mannschaft zum Schlafen geschickt. Ich selbst war zum Schlafen zu nervös, denn die Verantwortung wegen des vermissten Jungen bedrückte mich immer mehr. Was war wenn Rusty sich geirrt hatte und der Junge lag an einer ganz anderen Stelle, hatte vielleicht sogar noch eine zeitlang gelebt? Wären wir dann schuldig an seinem Tod? Ein paar mal war die Schwester des Jungen dagewesen und hatte mit Rusty geredet, hatte ihr von ihrer Hoffnung erzählt, die sie in die Hündin setzte und von dem Vertrauen darauf, das sie ihren Bruder finden würde. Während ich in dieser Nacht meinen düsteren Gedanken nachhing und Unmengen von Kaffee in mich hineingoss lag Rusty in einer ruhigen Ecke und versuchte zu schlafen. Aber was für ein Schlaf! Ständig lief ein Zittern durch ihren Körper und immer wieder flog ihr Kopf hoch und sie suchte Blickkontakt mit mir. Wir waren beide am Ende unserer Kräfte.....

Am morgen des 10. August gegen 7:30 Uhr kam der Einsatzleiter der Feuerwehr zu mir und teilte mir mit das der Junge gerade freigelegt worden sei: er hatte punktgenau unter der Stelle gelegen, an der Rusty angezeigt hatte. Der Arzt bestätigte dann das der Junge innerhalb des Bruchteils einer Sekunde tot gewesen sein musste. Trotz der Tragik fiel eine schwere Last von meinen Schultern und ich war stolz auf meine kleine Rusty.

Ich sah dann zu, das ich möglichst schnell den Heimweg antreten konnte, ein Kleinbus der Polizei brachze meinen tapferen Ridgeback und mich nach hause. Von der Fahrt merkten wir nicht viel, denn nun hatte die Erschöpfung endgültig über uns gesiegt. Später als ich den offiziellen Einsatzbericht der Stadt Jena zugeschickt bekam, konnte ich nachlesen, das Rusty den toten Jungen durch eine Trümmerhöhe von 7,15 Meter gewittert hatte.

Ich glaube, mehr braucht man da über die Leistungsfähigkeit unserer Rhodesian Ridgebacks nicht mehr sagen.